Krisen-PR gilt in vielerlei Hinsicht als Königsdisziplin der Kommunikation. Wir haben mit gespag-Pressesprecherin Mag. Jutta Oberweger über dieses Thema gesprochen:

Liebe Frau Oberweger, wofür sind Sie zuständig bei der gespag?
Ich verantworte in der Oö. Gesundheits- und Spitals-AG (gespag) den gesamten PR & Kommunikationsbereich für unsere Spitäler und Ausbildungseinrichtungen mit interner und externer Kommunikation, Social Media Kommunikation, klassischer Pressearbeit, Litigation-PR sowie das Konzern-Beschwerdemanangement. Gleichzeitig organisiere ich größere Führungskräfteworkshops und –meetings.

Wann sprechen Sie von einer PR-Krise?
Eine Krise ist generell jeglicher Bruch der Normalität – das kann von einer massive Patientenbeschwerde, bis zum Tod eines Patienten theoretisch alles sein. Wir monitoren auch die Social Media Kanäle sehr genau und versuchen auch dort rasch einzugreifen.

Das Wesentliche ist, eine Sensibilität aller MitarbeiterInnen erkennen zu können, welche Situationen/Ereignisse grundsätzlich Potenzial zur Krise haben und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen – nämlich der Griff zum Telefon und der Anruf bei der Krisenhotline der PR.

Was ist zu beachten, um eine PR-Krise zu meistern?
In der Krise sind die wesentlichsten Faktoren eine rasche Reaktion, eine perfekte interne Kommunikation, eine klare Aufgaben- und Rollenverteilung, eine offensive Öffentlichkeitsarbeit und eine gehörige Portion Mut!

Valide Kontakte zu Journalistinnen und Journalisten und eine generelle gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit ist in der Krisensituation von enormer Bedeutung.

In meinen 16 Jahren in der gespag kann ich von fünf massiven PR-Krisenfällen berichten und ich glaube, wir haben vor allem die Krisen der jüngsten Vergangenheit gut meistern können, weil auch unternehmensintern bei allen MitarbeiterInnen die Botschaft klar angekommen ist: wir lassen niemanden alleine im Regen stehen lassen, aber wir erwarten uns im Gegenzug dazu von allen Betroffenen absolute Ehrlichkeit und Offenheit.

Was mir persönlich sehr hilft in der Krisen-PR ist die absolute Akzeptanz sowie das Vertrauen des Vorstands und der Führungskräfte dafür, wie ich in Krisensituationen agiere und meine Ausbildung als Juristin, die mir den Umgang mit unseren Anwälten und den Ermittlungsbehörden deutlich erleichtert.

Was sind für Sie abosulte „No-Go´s“?
Lügen und die Aussage: „No comment“

Wie definieren Sie Erfolg bei einer PR-Krise?
In der Krise gibt es in den seltensten Fällen etwas zu gewinnen. Das Wesentlichste ist, nicht mehr zu verlieren und die Reputation des Unternehmens nicht zu gefährden. Darauf ist letztendlich alles auszurichten.